Aus dem Alltag

Mein Besuch bei „Libergy“ – dem schweizer Allergiesupermarkt

In den Supermarkt gehen, einkaufen ohne die Verpackungen herumzudrehen und jede Menge leckere Lebensmittel finden? Genau das geht im Allergie-Supermarkt „Libergy“ in der Schweiz. Ich berichte euch von meinem Besuch dort und stelle euch den Laden etwas genauer vor 🙂

 

Viele von euch kennen sicher das Problem eines jeden Allergikers: Eben mal schnell einkaufen gehen, ohne Verpackungen umzudrehen oder nach etlichen Ersatzprodukten zu suchen geht in der Regel eher nicht. Nach mittlerweile 4 Jahren der „frei von“ Ernährung habe ich mich an die zusätzliche Einkaufszeit gewöhnt, plane sie in meinen Tag mit ein. Aber zugegebenermaßen könnte ich darauf verzichten! 

In gut sortierten Supermärkten ist das „frei von“ Angebot zwar mittlerweile recht gut aufgestellt, aber es ist eben ein Supermarkt, in dem „normale“ Lebensmittel überwiegen. Das Angebot für Nahrungsmittelunverträglichkeiten steht meist in einer separaten Ecke, mehr oder weniger abgegrenzt zu dem Rest des Supermarktes. 

Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie begeistert ich war als ich von Libergy erfahren habe. Ein Supermarkt voll mit „frei von“ Lebensmitteln, komplett auf Allergien und Unverträglichkeiten spezialisiert. Der erste Gedanke war natürlich „Da muss ich hin!“. Als ich dann vor einigen Wochen für wenige Tage am Bodensee war, wurde ich wieder an Libergy erinnert. Von ersten Recherchen wusste ich, dass sich der Laden in der Nähe von Zürich befindet. Zürich ist ja nun wirklich nicht weit weg zum Bodensee. Der Kurztrip in die Schweiz war also ratzfatz beschlossene Sache 🙂 Am nächsten Tag ging es los nach Zürich. Am Hauptbahnhof habe ich mich mit einer ganz lieben Bloggerfreundin getroffen und bin mit ihr gemeinsam Richtung Dietikon aufgebrochen, das Örtchen in dem sich Libergy stationiert hat. Nach wenigen Minuten Zugfahrt und einem kurzen Fußmarsch standen wir dann vor unserem „frei von“ Paradies. Wie viele von euch wahrscheinlich in meiner Instagram Storie gesehen haben, war ich diese Woche wieder dort. Mein mittlerweile zweiter Besuch, diesmal allerdings in Begleitung von Silvan von dem Blog glutenfreiewelt.ch 🙂

Der Laden macht optisch eine ganze Menge her, er sieht sehr einladend, übersichtlich und freundlich aus. Das Konzept ist außerdem auch sehr allergiefreundlich, da die einzelnen „frei von“-Themen übersichtlich über den jeweiligen Regalen gekennzeichnet ist. Wenn man sich also zum Beispiel histaminarm ernähren muss, sieht man direkt welches Regal geeignete Lebensmittel bietet. 

Allergiesupermarkt

Allergiesupermarkt

Für folgende Allergien, Unverträglichkeiten und Beschwerden gibt es Produkte bei Libergy:

  • glutenfrei
  • laktosefrei
  • histaminarm
  • fructosearm
  • Pollenallergie
  • Milbenallergie
  • Tierhaarallergie
  • Ratgeber-Ecke mit Koch- und Sachbüchern
  • Empfindliche Haut
  • Kleidung für Neurodermitis-Betroffene (inklusive Waschmittel und Sonderanfertigungen auf Wusch)

Neben den Produkten haben sich die beiden Inhaber, Jasmina und Pascal, schöne Aktionen für die Kunden überlegt. Es gibt beispielsweise eine Sitzecke, in der man sich bei leckeren Häppchen in gemütlicher Atmosphäre austauschen kann. Die Idee eine Art Tauschbörse mit Rezepten einzurichten, finde ich außerdem auch sehr schön. Ein Ordner voller leckeren Rezeptideen liegt im Laden bereit, jeder kann sich ein Gericht, das ihn anlacht herausnehmen, und ein eigenes hineinlegen. 

Allergiesupermarkt

Eine sehr kundenorientierte Idee finde ich außerdem die Wunschliste. An einer Wand finden die Kunden ein großes Plakat, auf dem jeder seine Ideen notieren kann, von Produkten oder Marken, die er sich im Laden noch wünschen würde. Jasmina und Pascal sammeln die Vorschläge und bemühen sich die meist gewünschten Produkte anschließend im Laden anbieten zu können 🙂 Das finde ich absolut großartig, sie orientieren sich wirklich sehr stark an den Bedürfnissen der Kunden. Neben den tollen „frei von“ – Lebensmitteln finden außerdem regelmäßig Vorträge von Fachleuten aus der Branche statt und Kochkurse sollen auch schon ganz bald stattfinden. 

Nachfolgend liste ich euch mal ein paar der Firmen auf, von denen sich Lebensmittel in Libergy finden. Alle zu nennen würde hier definitiv den Rahmen sprengen, die Auswahl ist enorm. Die Anbieter sind dabei nicht nur glutenfrei, sondern es gibt eben auch eine große Auswahl an histaminfreien und fructosefreien Produkten. 

  • Huttwiler
  • Semper
  • Schär
  • Schnitzer
  • Frusano
  • Nutrifree
  • Verjus 
  • Werz
  • 3 Pauly
  • Roo´bar
  • Paul´s finest Quinoa
  • Ökovital
  • Pastaavanti
  • Naturata 
  • lifefood

Neben den Lebensmitteln finden sich auch etliche Kosmetikprodukte für empfindliche Haut bei Libergy. Für mich als Tierhaarallergiker ist ein weiteres Angebot bei Libergy außerdem auch sehr interessant: Sie bieten nicht nur spezielle Reinigungsgeräte, Kissenbezüge usw. für Pollen- und Milbenallergiker an, sondern auch Staubsauger, Filter oder Sprays die bei einer Tierhaarallergie sehr hilfreich sein können. 

Allergiesupermarkt

Allergiesupermarkt

Wie ihr euch sicher denken könnt, bin ich nicht mit leeren Taschen nach Hause gekommen. Bei einigen Produkten konnte ich nicht widerstehen, vieles davon bekommt man bei uns nämlich nicht so einfach. Die beiden Knäckebrote von „le pain des fleurs“ haben mich mit ihren ausgefallenen Sorten angelacht. Ich kenne die Marke bereits, hatte schonmal das Knäckebrot mit Maronen. Kokos und Erdmandel können wohl kaum schlecht sein, dachte ich mir. Ergebnis: Sie waren alles andere als schlecht! Super lecker sage ich euch 🙂 Besonders mit Kokos ist das wirklich ein Highlight, ich esse es gerne mit Marmelade!

Die beiden Schokoladensorten habe ich (und das wundert mich wirklich) noch nicht komplett verputzt. Die Lilane mit Kokosblütenzucker war sehr köstlich, die andere habe ich mir noch aufgehoben. Ihr wisst schon, für schlechte Zeiten 🙂

Die Kokoskekse haben mich besonders überrascht, ich war wirklich begeistert. Sie waren toll knusprig, ohne dabei trocken zu sein und der Kokosgeschmack kam ganz toll raus. Die werde ich sicher nicht das letzte Mal gegessen haben. 

Bei der Focaccia von Schnitzer hat eigentlich die Neugier den Kauf ausgelöst. Ich esse nämlich die Focaccia von Schär sehr gerne und wollte mal einen Vergleich haben, von einer Marke die bei uns weniger bekannt ist. Die Focaccias waren kleiner, dafür aber für meinen Geschmack weicher. Ich mochte sie sehr gerne 🙂

Um euch noch einen genaueren Einblick in das Konzept von Libergy geben zu können, habe ich mit den beiden Inhabern, Jasmina und Pascal, ein kleines Interview geführt, das ihr nachfolgend lesen könnt 🙂


Interview:

Die Zahl von Allergiegeplagten oder Betroffenen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist bekanntermaßen in den letzten Jahren stark angestiegen. Wie genau ist die Idee für euren Allergie-Supermarkt entstanden? Durch eine eigene Betroffenheit oder eine Erfahrung im Bekanntenkreis?

Da es sich herausgestellt hatte, dass einer von uns eine Laktoseintoleranz hat, mussten wir die ganze Ernährung umstellen. Wir gingen in die diversen Supermärkte und suchten die Produkte zusammen. Nach einiger Zeit war es für uns sehr mühsam und Zeitaufwändig, dauernd alles zusammen zu suchen und zudem gab es nur wenig Auswahl. Durch diese Erfahrung kam die Idee, einen Supermarkt für Allergiker und Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu eröffnen. 

Wieso habt ihr euch für den Standort in Dietikon entschieden? Leben in diesem Gebiet besonders viele Betroffene?

Wir wohnen im Kanton Aargau, und wollten unser Geschäft Richtung Zürich eröffnen. Durch das wir die ganze Schweiz als Einzugsgebiet haben, waren uns die Anfahrt- und die Parkmöglichkeiten sehr wichtig und der Standort ist Zentral und hatte die meisten Kriterien erfüllt.

Aus wie vielen Mitarbeitern besteht aktuell das Libergy-Team?

Momentan machen wir alles zu zweit, aber wir planen auf Ende Jahr 1-2 Mitarbeiter anzustellen.

Wie schätzt ihr das „frei von“ Angebot in der Schweiz ein? Könnt ihr ungefähre Zahlen bezüglich der Betroffenen in der Schweiz nennen? 

In der Schweiz hat es noch nicht so ein großes Angebot von den Produkten für Allergiker. Die großen Supermärkte bieten mittlerweile immer wie mehr Produkte an. Wir denken ca. 5-10 % sind betroffen von einer Allergie oder Unverträglichkeit.

Ich konnte mir bei meinem Besuch in eurem Laden ein genaues Bild von euren angebotenen Produkten machen. Vielleicht berichtet ihr nochmal kurz, welche Unverträglichkeiten aktuell bei euch „abgedeckt“ werden bzw. für welche Allergien man Produkte in eurem Laden findet?

Wir haben Produkte welche Glutenfrei, Laktosefrei, Fruktosearm, Histaminarm sind und im Non-Food Bereich haben wir Produkte für Empfindliche Haut, Neurodermitis, Pollenallergie, Milbenallergie,  Literatur / Ratgeber. Wir möchten unser Sortiment stetig erweitern, indem wir eine eigene Abteilung für Nussallergiker etc. anbieten.

Ihr habt ein breites Spektrum an verschiedenen Marken in eurem Laden. Könnt ihr ungefähr einschätzen, wie viele verschiedene Anbieter von „frei von“ Lebensmitteln ihr aktuell führt und aus welchen Ländern diese Produkte kommen?

Die Produkte kommen aus ganz Europa. Schweden, Finnland, Italien, Schweiz, Deutschland, Belgien,  Österreich. Wir führen in etwa 50 verschiedene Anbieter in unserem Sortiment.

Besonders beim Thema „glutenfrei“ habe ich das Gefühl, dass hier die Nachfrage deutlich gestiegen ist. Ihr führt allerdings ja unter anderem auch histaminfreie und fruktosefreie Produkte. Ist euch aufgefallen, ob bestimmte „frei von“ Produkte besonders häufig gekauft werden? (Beispielsweise überwiegend glutenfreie Produkte?)

Glutenfreie Produkte  werden bei uns am häufigsten gekauft. Auch immer mehr verzichten auf den Fruchtzucker und kaufen auch histaminarme Lebensmittel.

Welches Ziel verfolgt ihr auf lange Sicht gesehen mit Libergy?

Das primäre Ziel ist schweizweit vertreten zu sein und das Gesundheitszentrum der Schweiz zu werden.

Ihr bietet in eurem Laden auch einen Raum zum Austauschen und lasst Platz für Wünsche und Anregungen. Welches Feedback habt ihr bisher von euren Kunden bekommen? Wie nehmen sie euer Konzept auf? Woher kommen eure Kunden? (aus der gesamten Schweiz, Deutschland, Österreich usw.)

Unsere Kunden sind von unserem Konzept begeistert und sie finden es fantastisch, dass wir auch eine Informationsecke haben. Unsere Kunden kommen unter der Woche primär aus der Region Aargau, Zürich und am Wochenende aus der ganzen Schweiz.

Um die Produkte so gut wie möglich auf die Bedürfnisse der Kunden abzustimmen, habt ihr die tolle Idee einer Wunschliste gehabt. Dort können die Kunden ihre Wunschmarken oder Produkte eintragen und ihr versucht die Wünsche umzusetzen. Welche Produkte, Marken oder „frei von“ Bereiche sind aktuell am meisten gewünscht?

Sehr viele natürliche Produkte welche von Natur aus Vegan, Glutenfrei, Laktosefrei sind. Von der Marke her gibt es nicht so viele Wünsche. Es muss meistens Bio, Fair Trade und Demeter Zertifiziert sein.

Warum glaubt ihr, gibt es noch nicht mehr solcher Märkte wie Libergy? Wo liegen eurer Meinung nach Hürden bzw. Herausforderungen für eine Gründung? Könnt ihr euch vorstellen weitere Filialen von Libergy zu eröffnen?

Weil es in der Schweiz noch nicht so ein großes Thema ist und noch niemand so mutig wie wir gewesen ist. Das Sortiment in den größeren Supermärkten wird immer größer, weil alle merken, dass das Bedürfnis da ist, sich Allergenfrei  zu ernähren oder zu pflegen. Unser Ziel ist es in der ganzen Schweiz Filialen zu eröffnen. Wir sind überzeugt Libergy hat eine sehr große Zukunft.

Was würdet ihr euch für Allergiker und Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten wünschen?

Das wir riesige Supermärkte eröffnen können mit der grössten Auswahl weltweit. Das wir den Allergikern die Möglichkeit geben, weniger für die Produkte ausgeben zu müssen. Wir arbeiten jeden Tag sehr hart, um unsere Ziele zu verwirklichen. Wir haben die besten Kunden.

Danke für dieses Interview liebes Libergy-Team!


So, am Ende dieses Blogposts angekommen, ist es Zeit für mein Fazit. Ich möchte nochmal kurz auf die Preise zu sprechen kommen. Viele von euch werden schon bemerkt haben, dass die frei von – Lebensmittel generell teurer sind, ob in Deutschland oder im Ausland. Vor meinem ersten Besuch hatte es mir (aufgrund der generell teureren Schweiz) vor den Preisen ein wenig gegraut. Ich muss aber sagen, dass sie so viel teurer gar nicht waren. Sicherlich, Brote und Mehle haben auch schon mal, je nach Sorte und Marke um die 10 Franken gekostet. Die Marken und Produkte, die ich mir gekauft und angesehen habe, haben „nur“ etwa 2 Franken mehr gekostet, als bei uns. Sagen wir mal so: Da sind Produkte dabei, die man schwierig bis gar nicht bei uns bekommt, dementsprechend sehe ich es als ein Goodie, das man nicht jeden Tag macht. Ich habe mir jetzt bei meinem zweiten Besuch noch mehr mitgenommen, als beim ersten Mal. Diese Leckereien verputze ich aber auch nicht auf einmal, sondern genehmige mir ab und zu etwas davon und halte mich ansonsten an die „Standardprodukte“ aus unseren Supermärkten, oder backe mir meine Sachen selbst.

Ich hoffe der Beitrag hat euch gefallen und ich konnte euch einen kleinen Einkaufstipp geben. Solltet ihr mal in der Nähe von Zürich sein, lohnt sich ein Besuch definitiv 🙂 Ich werde meinen nächsten Urlaub am Bodensee sicher wieder mit einem Abstecher zu Libergy verbinden hihi.

Eure Fabienne